Tagebuch zum Dokumentarfilm "Auf halbem Weg zum Himmel"

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5.9. – Mittwoch


„Selbst bestimmt leben, ohne dabei über Leichen zu gehen“ so in etwa glauben wir, lässt sich fassen, was sich durch das Leben unserer Protagonisten zieht wie ein, leider viel zu oft, blutroter Faden.

Wie übersetzt sich das eigentlich?

Fürs Englische schlagen Wörterbücher im Netz die folgende Redewendung vor: „ohne seine Großmutter zu verkaufen". Und im Spanischen lautet eine gebräuchliche Formulierung „ohne seine Kinder zu verkaufen".
Zwei Mal also quasi ein sprachliches Höchstgebot auf etwas, das einen besonderen Wert hat - der Hinweis darauf, beim Versuch den Weg durchs eigene Leben selbst zu bestimmen, etwas nicht leichthin zu verscherbeln oder zu verschachern.
Einmal sind es dabei die eigenen Wurzeln, die Generationen vor uns, die nicht verraten werden dürfen, im anderen Fall ist es unsere Zukunft, für die das zu gelten hat.
Und wie drückt man den Gedanken im Chinesischen, im Japanischen, oder in einer der Maya-Sprachen in Guatemala aus?

Wir jedenfalls fangen heute an mit dem Schnitt: Fast zwölf Jahre nach dem Massaker in der Dorfmitte von LA AURORA und mehr als elf Jahre, nachdem wir beschlossen haben diesen Film zu machen.

6.9. – Donnerstag

(aus den Notizen vom Dreh) –

Tag 1: Lars und Nic waren vor rund einer Woche noch in Afghanistan unterwegs und hatten kaum Zeit in Berlin anzukommen, bevor es zusammen mit Ulrich nach Guatemala geht. Andrea ist schon vor einigen Wochen zur Recherche und Vorbereitung hierher geflogen. So sind wir nach dem USA-Dreh im Frühjahr nun also wieder alle beisammen.

Tag 2: Wichtig: Das Taxi sollte so kommen wie gerufen - in andere steige man besser nicht ein; dazu sollte einkalkuliert werden, dass das Taxi meist zu spät kommt; der deutsche Botschafter jedenfalls hat uns kaum dass es da ist für Heute wieder ausgeladen.
Also vorbei am Mann mit der Pumpgun, der sie so selbstverständlich hält wie andere einen Kugelschreiber, und rein in die Bank: Geld umtauschen. Wir werden von einem noch recht jungen Mann mit klar indigenen Gesichtszügen erwartet. Was überraschend ist, denn er ist der Direktor hier. Und lädt uns zum Essen ein.

Tag 3: Heute ist Samstag und wir schaffen es halbwegs rechtzeitig zum deutschen Botschafter, der wohl extra für uns ins Büro gekommen ist. Wir tragen ihm unseren Wunsch nach einem speziellen Journalistenausweis vor. Den wir aber leider nicht bekommen können, es geht einfach nicht. Außerdem warnt er uns: Vor den Gefahren, denen alle ausgesetzt sind, die ein wenig reich aussehen, gerade auf den Überlandstraßen und wir hätten unser Lager hier in der Hauptstadt wohl auch noch ausgerechnet in einer der gefährlichsten Zonen aufgeschlagen. Und dann seien da noch die Gefängnisse, von denen wir ja eines wohl besuchen wollten, und die meist von den Gefangenen kontrolliert seien, da könne nur bis zum Betreten der inneren Räume für unsere Sicherheit garantiert werden, ob wir das nicht... nein, das geht leider nicht, denn deswegen sind wir hier.
Nachdem so keiner bekommen hat, was er wollte, fahren wir wieder nach Hause. Der Botschafter, wie es aussieht, übrigens mit einem Porsche.

Sichtung von Archivmaterial, das Dörte noch nicht kannte – unter anderem:
Der heutige Parlamentspräsident Rios Monnt putscht sich 1982 an die Macht und inszeniert sich dabei, als wäre das ganze ein Theaterstück von Schlingensief.
Was er damals im Tonfall des evangelikalen Laienpredigers als notwendige Maßnahmen im Angesicht der Lage ankündigte, das wird heute als Völkermord bezeichnet und in Spanien als Fall für die Justiz behandelt.
Der vielleicht schönste Satz während der Sichtung war Dörtes: „Ich fange an ihn zu sehen, euren Film mit sehr viel Gefühl“.

7.9. – Freitag

Die Chronologie der Ereignisse ist, dass wir nach und nach wurden, wer wir sind. Was auch für unsere Protagonisten gilt. Die Chronologie der Gefühle aber ist eine andere - zumindest in unserem Film.

Haben begonnen, daraus einen Handlungsfaden zu konstruieren, mit dem wir den Zuschauer ins Bild setzen wollen.

8.9. – Samstag

Allmählich ist es kalt, zumindest wir im Schnittraum beginnen so ohne Heizung ab und an zu frösteln. Dafür bisher kein Problem mit den Probelautstärken von Bands im Haus, das jetzt wohl von der Stadt an den Bund verkauft wurde. Die Redaktion der geplanten pdf-Zeitung traf sich heute zur ersten Arbeitssitzung.

(aus den Notizen vom Dreh) – Tag 4:
Heute ist Fußballweltmeisterschaft Finaltag. Genauer: War. Die neunzig Minuten, die wir gerne live gesehen hätten, verstrichen auf unserem Weg nach LA AURORA 8 DE OCTUBRE. Wir sind jetzt da.



9.9. - Sonntag

Nach dem Sturz eine U-Bahn-Treppe hinab letzten Dezember ist Dörtes zertrümmerte Schulter nun wieder soweit, dass der Arm mehr oder weniger die Waagerechte erreicht.

Legt man ihr dabei die Hand auf die Schulter, dann ergibt das eine Vorstellung – zum Beispiel als wäre ein Zahnrad unterwegs auf einer Fläche, die mehrfach eng gewellt ist; oder wie damals als Kind, als ein in die Speichen geklemmter Bierdeckel das Fahrrad knattern ließ, als wäre man mit dem Motorrad unterwegs.

Hoffentlich helfen Physiotherapie und Sportübungen, allein vom hinfühlen tut es weh.

10.9. - Montag

Timeline, die erste – und bis Ende nächster Woche voraussichtlich ein Schnitt. Der alles versammelt, von dem wir ausgehen, dass es rein soll in den Film; und schon darauf achtend, dass die Platzverteilung dramaturgisch mehr oder weniger sinnvoll ist.

(aus den Notizen vom Dreh) – Tag 5:



Wir haben unser Quartier in einem hallenartigen Gebäude, das mal ein Kindergarten werden sollte. Die Organisation der Frauen „Mama Maquín“ hat es uns zur Verfügung gestellt, für lau und aus Solidarität mit dem Filmprojekt. Dafür wünscht man sich am Ende unseres Aufenthaltes aber eine angemessene Spende, nicht zuletzt, weil es teilweise durch das Dach regnet, die dunkleren Flecken am Boden zeigen an wo. Die Betten haben wir inzwischen gemacht, bei den einen sind es Bretter auf Steinblöcken, bei den anderen Hängematten, über beidem spannt sich jeweils ein Moskitonetz. Einen der drei Nebenräume nutzen wir als Küche, es gibt sogar Strom, und auf einem Tisch stapeln sich Tüten mit Trockenmilch, Müsli und chinesischen Instant-Suppen. Wo sich gestern noch eine schwarze Schlange ringelte, bis Don Anastasio, unser herbeigerufener Nachbar, die Frage „Ob die giftig ist?“ mit einem bedauernden Machetenhieb beantwortete: „Tödlich“.

11.9. - Dienstag

Heute vor wie vielen Jahren? Wenn 9/11 der Bezugspunkt für diese Frage ist, dann saßen wir in Berlin in einem Schnittraum. Ein Anruf kam, wir sollten doch dringend einen Fernseher einschalten: „Das World Trade Center wird angegriffen“.

Wir saßen damals gerade an der Montage von Material, das auch für diesen Film jetzt teilweise spielen wird: ANATOMIE EINES MASSAKERS, so hieß der Versuch letztlich, die Ereignisse um den 5.Oktober herum rein mit Archivmaterial zu erzählen.

12.9. – Mittwoch

Welche Muster greifen bei wem wann, wenn es darum geht Terrorismus und Krieg als sozialpsychologische Erscheinungen in der Zeit zu personalisieren? Also im einen Fall werden die Umstände als Faktor betont, im anderen Fall schreibt man dem Individuum die Fähigkeit zu, einen Unterschied bewirken zu können. Was im Nachgang ja entscheidend die Frage beantworten kann: Händeschütteln oder Handschellen?

Im Rahmen der saisonalen Medien-Hausse der RAF saß jedenfalls gerade Beckstein bei Beckmann. Und der ließ sich so sehr über das nicht nachvollziehbare Weltbild der RAF aus, dass Beckmann beinahe gegen ruderte.

13.9. – Donnerstag

(aus den Notizen vom Guatemala-Dreh) – Tag 6:

Der Staat ist im Dorf und möchte Gewicht, Größe und Zustand der Kinder zur Verbesserung der Gesundheitspolitik in seine Statistiken einfließen lassen. „Pura pantalla“, sagen die Frauen: „Für die Hose, nichts als Show“. Allerdings: Wer seine Kinder zur Waage bringt, bekommt einen Beutel mit nützlichen Dingen wie Zahnpasta und Spiegel. Damit ist das Gedränge so groß wie das Geschrei, wollen doch einige Kinder nicht in die unter der Waage hängende Lederwindel. Und das alles, weil der Staat herausfinden möchte: „Was wiegt ein Leben?“ Wir drehen. „Ihr wollt doch nicht etwa einen Propagandafilm für die Regierung machen?“ Skeptische Blicke.

Dörte hatte Spaß auf der Abschluss-Party der Filmkunstmesse; dass auch noch Interesse an unserem Projekt signalisiert wurde – z.B. aus Österreich von einer Gruppe Kinos, die gemeinsam jeder für sich arbeitet - sehr schön; dank! Außerdem die aktuelle Meldung, dass Carsten Möller sein Langzeit-Projekt fertig hat und nun beim Leipziger Festival Premiere feiern kann.

14.9. – Freitag


(aus den Notizen vom Guatemala-Dreh) –Tag 6:
Nati liegt in der Küche in der Hängematte. Im Hintergrund glüht die offene Feuerstelle, es dauert nicht mehr lange, dann wird sie mit dem Abendessen beginnen. Natis Mann sitzt neben ihr und Glendis, die Jüngste räkelt sich in ihren Armen. Nati hat Fieber, hat aber gehört, dass Nic und Lars in Afghanistan waren. Die beiden erzählen. Zum Beispiel, dass dort solch eine private Situation mit einer Frau vom Land undenkbar sei.

Tag 7:
Im Haus der Großeltern hat sich die Familie versammelt; nicht alle der 50 Enkel sind da, doch es ist auch so eine beachtliche Schar. Wir zeigen von dem Material, dass wir im März in den USA mit Sohn Alfonso - unserem Hauptprotagonisten - und Enkel Miguel gedreht haben. Lachen und Weinen.



„Und jetzt, also … haben wir diese Familie. Und haben immer daran gedacht, dass wir nicht viele … nicht viele Kinder haben sollten“, hatte uns Alfonso vor der Kamera erzählt. Wenige Stunden bevor wir fuhren meinte er: „Manchmal … ein Mann, eine Frau … wie ein Stamm und dann kommen die Zweige und Blätter“.

Einige Kinder spielen Auftritte mexikanischer Catcher nach, während nebenan, kurz davor oder danach und vor aller Augen Alfonsos Videobrief an seine Frau Fabiana läuft.

Ergänzung zum Donnerstag. Da meinte Dörte nämlich: „Einen Übergang gibt es schon, von dem ich glaube, das er stehen bleibt“. Sie hat aber nicht verraten welcher – vielleicht ein guter Ansatz zum Einstieg in das Interview, das hier erscheinen soll.

17.9. – Montag

(aus den Notizen vom Guatemala-Dreh) – Tag 8

Alles, was wir von Fabianas Ältestem bisher sahen, war sein Klettern durchs rückwärts gelegene Fenster, damit er uns nicht in die Arme lief. Wir finden keine Einstellung für den Dreh mit Fabiana, schließlich spielt auch das Licht nicht mehr mit. Also morgen noch mal. Für unser Essen sorgt übrigens das ganze Dorf: Jeden Tag kocht eine andere Familie, und die Verpflichtung wird von Haus zu Haus durch die Viertel gereicht. Wie unsere Unterkunft ist es eine solidarische Aktion und wir merken dem jeweiligen Essen an, wer mehr hat oder weniger, obwohl es sich fast immer um eine Variation mit Bohne und Tortilla handelt: mal mit Ei, mal mit Tomate, mal mit beidem oder gar noch weiterem Gemüse.

Andrea erklärt uns, dass es eigentlich üblich wäre, am Herd der jeweiligen Gastgeber zu essen und als „Bezahlung“ ein Geschenk in Form von Naturalien zu überreichen. Was bedeuten würde, jeden Tag die passende Menge einzukaufen, jeden Tag nach einem vielleicht anstrengenden Dreh mit fremden Menschen an einem Tisch zu sitzen, auf die man sich neu einstellen muss und dabei kaum abschalten kann.



Wir beschließen, uns das Essen liefern zu lassen. Mittags und am Abend. Frühstück machen wir selbst. Dafür soll am Ende „Mama Maquin“ eine angemessene Summe zum Verteilen erhalten. So haben wir mehr Spielraum bei den Drehzeiten, sind nicht an fixe Essenszeiten gebunden.

18.9. – Dienstag

Redaktionssitzung der geplanten pdf-Zeitung. Bisheriger, an die Firma angelehnter Name: „tutu!“. Ulrich übersetzt ihn sich mit „Traum und Trauma unterscheiden“.

Obwohl das ganze ja letztlich eine Public-Relation-Aktion für unseren Film und (vielleicht auch für andere unserer Projekte ist), soll der Versuch gemacht werden, dass die Redaktion möglichst unabhängig von pop tutu film agieren darf. Gewissermaßen ein Experiment – mal sehen, wie die Reise verläuft.

Was bei der Sitzung wieder einmal klar wird: Den Handlungsablauf und die jeweiligen Gefühlslagen unseres Helden haben wir recht klar vor Augen. Unsicherheit gibt es aber vor allem noch ob der emotionalen Gesamtstimmung, die wir mit unserem Projekt auslösen wollen.




19.9. – Mittwoch


Seit dem letzten direkten Kontakt mit Evan Parker sind mindestens zwei Jahre vergangen. Und dass er vom Rand Londons aufs Land gezogen ist, merken wir ansatzweise auch erst, als unser Päckchen nach drei Monaten mit der Bemerkung „verzogen“ wieder zurück kommt. Barre Phillips gibt uns eine funktionierende email-Adresse, eine Antwort kommt prompt:

„Good to hear from you and I am so glad to hear that you are still determined to make the film. This is always a busy time of year between now and Christmas , but I hope we can find some dates good for us all”.

20.9. – Donnerstag

Bis die erste Timeline steht, die inhaltlich alles enthält, was drin sein soll – es wird doch noch etwas dauern. Kein Grund zur Aufregung aber.

Am Wochenende ist Dörte nach Bozen eingeladen – an die ZeLIG, wo sie die letzten Jahre unterrichtet hat. Dort werden nun die Abschlussfilme im Rahmen eines Festivals gezeigt werden. Claudia – unsere gute Seele beim ZDF – wird wohl voraussichtlich Mitte/Ende Oktober zur Sichtung zu uns nach Leipzig kommen.

21.9. – Freitag

(aus den Notizen vom Guatemala-Dreh) – Tag 9
„Während er dort ist, will ich keinen anderen Mann an meiner Seite haben. Obwohl ich, ... obwohl ich schon denke, dass wir das Leben in dieser Welt nicht gekauft haben. Aber auch wenn einer stirbt, auch wenn er stirbt, wenn er sterben würde, würde ich keinen anderen Mann haben wollen. Weil einer weiß doch, einer weiß doch mit wem er sein erstes Kind gehabt hat, wer sein erster Mann war. Ob das jetzt gut war oder schlecht. Für mich war das Schicksal halt schlecht“ (Fabiana im Interview).

Das erste Gespräch mit Fabiana. Sie kämpft mit der fremden Sprache Spanisch, versucht mühsam mit wenigen, immer gleichen Worten komplexe Gefühle auszudrücken. Später dreht Lars eindrucksvolle Bilder mit riesigen Gewitterwolken über dem Massakerplatz. Nic notiert im Ton-Protokoll: „katholisches Licht“.

Monate danach schwingt beim Sichten der Szenen am Schnittplatz immer noch die Erfahrung des Drehs mit und lässt uns kämpfen mit der Frage: „Wie viel Zerrüttung und Zerstörung einer Ehe muss hinein in unseren Film?“

Wir wollen zeigen, wie zermürbend dieser Prozess war, der gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner durchgefochten werden musste und von den Beteiligten einen Preis forderte, den wir nicht ermessen wollen. Wir möchten aber auch sagen: Es ist möglich, es ist sinnvoll.

24.9. – Montag

Könnten die aktuellen Debatten die über den „außer gesetzlichen Notstand“ für den Fall angreifender Flugzeuge - zum Beispiel – auch eine andere Note, einen andere Struktur haben?

Zuerst der Deutsche Herbst (ja, inzwischen werden die Blätter draußen bunt) und danach 9/11 – beides waren Großerinnerungsanlässe. Bei denen sich Politik und Medien gemeinsam und getrennt von einander darauf ein schwingen über die Begriffen „Staat“, „Gewalt“, „Recht“ und „Terrorismus“ sowie mögliche „Kurzschlüsse“ zu reflektieren; innerhalb eines bestimmten Zeitfensters werden die Akteure also zu Spezialisten einer besonderen Art.

Nun fallen uns Ähnlichkeiten auf - zwischen aktueller Argumentationen in Deutschland und der in unserem Film aus Guatemala; einer „Bananen-Republik“ immerhin (und dass die aktuelle Debatte speziell eine ostdeutsche wäre, behauptet kaum jemand).

Da argumentiert ein Verteidigungsminister zum Beispiel: Es könne nicht angehen, dass die Sicherheitskräfte mit einer Sicherheitslücke konfrontiert seien, in der sie keinen angemessenen Handlungsspielraum hätten. (Der Staat Guatemala hatte mit den Rückkehrern einen Vertrag unterschrieben, der ihnen für ihr Gemeindeland garantierte: „Zutritt für bewaffnete Militärs verboten“). Man befinde sich schließlich im Krieg und vom so entstandenen und quasi „rechtsfreien Raum“ gehe eine konkrete Gefahr aus; die Rückkehrer seien schließlich ehemalige Guerilleros und verdächtig die Guerilla weiter zu unterstützen. Als für die Sicherheit des Staates verantwortliche Kraft habe man daher die Pflicht, sich im Zweifelsfall über die staatliche Regelung hinweg zu setzen und um so die notwendige Sicherheit garantieren zu können.

Nun machte bei Anne Will ein ehemaliger Kampfjet-Pilot darauf aufmerksam, dass aus Sicht der Piloten ein Angriff wie vom Verteidigungsminister beschrieben, einen Rechtsbruch darstelle und ihre Empfehlung daher sei, dem Befehl zum Abschuss nicht zu folgen.

Der Verteidigungsminister in Guatemala kommentierte mit seiner Äußerung übrigens eine begangene „Außergerichtlichen Hinrichtung“ und musste dafür zurücktreten – im Gefängnis allerdings sitzen heute nur die Soldaten (womöglich aufgrund einer ähnlichen Situation wie vom deutschen Kampfjet-Piloten beschrieben).

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4.12. - Dienstag

"Man geht nicht mit so einer Schwere aus dem Kino", bekommen wir als Feedback bei der Sichtung.

17.12. - Montag


Für die Berlinale wird es doch vorläufige Untertitel geben. Der Rechner rechnet und rechnet, um sie in den Film zu bekommen.

18.12. - Dienstag

Der Feinschnitt ist fertig. Bevor Dörte erstmal abreist, trinken wir ein Bier.
Langsam kristallisiert sich auch der Plan für die Postproduktion heraus.



21.12. - Freitag


Wir haben einen Titel: "Das Gesetz der Morgenröte".



Das Tagebuch sollte fortgesetzt werden,
dann war aber dann doch zu viel Arbeit am Film :-)
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Regisseur Ulrich Miller berichtet jetzt weiter unter
ulrichsblog.poptutufilm.de



Text: Ulrich Miller und Andrea Lammers
Bilder: Ulrich Miller und Nic Nagel (pop tutu film und ZDF 2007)